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So findest du die richtige Laufjacke zum joggen

by Isabell Deuer

Die richtige Laufjacke zum joggen zu finden ist manchmal gar nicht so einfach. Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen!

FrĂŒher oder spĂ€ter (eher spĂ€ter, wenn man im FrĂŒhling/Sommer mit dem Laufen begonnen hat und der Herbst vor der TĂŒr steht) stellt man sich die Frage, ob nicht eine Laufjacke eine sinnvolle Investition wĂ€re. Im Regen zu laufen ist nicht immer so dolle und wenn es stĂŒrmt, macht es ohne Jacke im Herbst auch nicht so viel Spaß.

Meistens ist das der Zeitpunkt, an dem man sich vor dem PC setzt und anfĂ€ngt, ein wenig ĂŒber Laufjacken zu recherchieren. Und ZACK, wird man von der Vielfalt geradezu erschlagen. Wasserdicht oder winddicht, atmungsaktiv muss sie sein und was ist eine WassersĂ€ule von 5000 mm? SpĂ€testens da bildet sich ein großes Fragezeichen auf der Stirn. Wasserdicht hĂ€lt das Wasser ab, Winddicht den Wind. Aber WassersĂ€ule? HĂ€?

Aber fangen wir mal der Reihe nach an.

 

Lieber eine wasserdichte oder eine winddichte Laufjacke?

Da braucht man keine Abstriche machen. Eine wasserdichte Jacke ist auch zu 100 % winddicht. Macht ja auch Sinn.

 

Eine maximale AtmungsaktivitĂ€t wird gewĂ€hrleistet, in dem die Jacke mit einer wasserabperlenden Beschichtung versehen wird. Zu 100 % wasserdicht ist so eine Jacke also nicht (ein gutes Beispiel sind die Produkte von Gore), aber natĂŒrlich dauert es seine Zeit, bis der Regen durchdringt. Hier kommt eine Norm ins Spiel: Die WassersĂ€ule.

Einfach ausgedrĂŒckt bestimmt diese Norm, wie lange es dauert, bis ein Stoff oder Membran das Wasser durchlĂ€sst.

Dabei wird die Außenseite des Materials Wasser ausgesetzt. Der Stoff wird unter ein Messrohr gespannt und anschließend das Rohr mit Wasser gefĂŒllt. Pro Sekunde wird das Wasser in der SĂ€ule um 10 Millimeter erhöht – basierend auf der FĂŒllhöhe wird geschaut, bei vielen Millimetern Wasser durch den Stoff gedrungen ist und sich drei Tropfen an der Unterseite gebildet haben.
Je höher die WassersÀule, desto wasserdichter ist das Gewebe.

Und das bedeuten die Werte:

  • 1500 mm: Ab diesem Wert gelten Textilien in Deutschland gemeinhin als wasserdicht (die Schweizer sind strenger: Bei ihnen gilt ein Material erst ab 4000 mm WassersĂ€ule als wasserdicht)
  • 1000 mm: Druck, der durch eine liegende Person mit 80 kg und 1,80 m KörpergrĂ¶ĂŸe entsteht
  • 5000 mm: Druck, der durch eine sitzende Person mit 80 kg entsteht
  • > 10000 mm: Wasserdichtigkeit bei guter Outdoorbekleidung
  • 14.000 mm: Druck der durch eine knieende Person mit 80 kg entsteht
  • 25.000 mm: Druck der durch eine stehende Person mit 80 kg entsteht

Was fĂŒr Eigenschaften sollte die Laufjacke nun haben?

Eine WassersĂ€ule von ĂŒber 10000 mm braucht man vielleicht beim Ski fahren oder spazieren gehen, aber nicht zum joggen.
Hier ist wichtig, dass die Jacke bis man sich warm gelaufen hat, den Regen eine Weile abhÀlt. Normalerweise wird man nach 45 min sowieso nass sein, unabhÀngig davon, ob die Jacke vom Kaffeeröster oder von Gore-Tex ist.

Ich persönlich wĂŒrde AtmungsaktivitĂ€t (die korrekte Bezeichnung ist eigentlich WasserdampfdurchlĂ€ssigkeit) immer der kompletten Wasserdichtigkeit vorziehen. Einfach deshalb, weil man bei einer „dichten“ Jacke nachdem man sich auf Betriebstemperatur gelaufen hat, wie in einer Sauna fĂŒhlt. Da wird man dann zwar nicht von außen nass, aber von innen. Im Prinzip kommt das also auf dasselbe raus und man kann genausogut ohne Jacke laufen.

Eine Laufjacke, die noch extra gefĂŒttert ist, braucht man auch nicht. Es reicht vollkommen, wenn man ein dĂŒnnes (oder ein dickeres im Winter) Laufoberteil darunter anzieht. Dadurch, dass auch der Wind fern gehalten wird, friert man nicht – also keine Angst vom Windchill-Effekt. Auch ist eine Jacke fĂŒr jede Jahreszeit unnötig… aber es gibt sooo schöne Modelle… man hat nach einer gewissen Zeit sowieso mehr als eine Laufjacke.

Laufjacke Jacke

Wichtig ist noch zu erwĂ€hnen, dass sich die Eigenschaften dieser Hightechfasern nur zeigen, wenn es außen deutlich kĂ€lter oder trockener als in der Kleidung ist, wenn also ein ausreichendes DampfdruckgefĂ€lle besteht. Das ist beispielsweise unter Rucksackgurten oder bei hoher Luftfeuchtigkeit oder -temperatur nicht der Fall.

Eine absolute Nonplusultra Lösung in Sachen Laufjacke gibt es nicht. Will man eine komplett wasserdichte Jacke haben, so leidet die AtmungsaktivitÀt.
Möchte man eine möglichst atmungsaktive Jacke, die den Schweiß optimal nach Außen transportiert, so muss man Abstriche in der Wasserdichtigkeit von Außen machen. Ist ja irgendwie logisch: Wenn die Laufjacke luftdurchlĂ€ssig ist, kommt frĂŒher oder spĂ€ter der Regen durch. Ist sie dicht, bleibt der Regen außen (und der Schweiß drin).
Ab wann ist eine Jacke sinnvoll? Hier könnt ihr lesen, was man bei welchen Temperaturen beim joggen am besten anzieht.

 

UnnĂŒtzes Wissen zum Thema (Lauf)jacke

    • Wassertropfen sind etwa 20.000-mal so groß wie die Poren in einer Gore-Tex-Membran. Deswegen ist die Membran sehr dicht gegen flĂŒssiges Wasser und Wind. Körperfeuchtigkeit wird jedoch als Wasserdampf durchgelassen.
    • Gore-Tex-Textilien waren bei ihrer MarkteinfĂŒhrung 1976 die ersten wasser- und winddichten Textilien, die dampfdurchlĂ€ssig waren und damit den fĂŒr die Temperaturregulierung des Körpers wichtigen Abtransport des verdunsteten Schweißes zuließen.
    • Merinowolle ist die Nr. 1 unter den Naturfasern fĂŒr Funktionstextilien. Kleidung aus diesem Material wirkt antibakteriell und hat eine sehr geringe Geruchsbildung – daher ist es kein Problem, KleidungsstĂŒcke aus Merinowolle mehrere Tage hinteinander zu tragen.
      Naturfasern geben den Körperschweiß nicht so gut ab wie Kunstfasern. Trotzdem werden sie immer noch gerne verwendet, weil sie nur maximal einen Drittel ihrer Masse an FlĂŒssigkeit aufnehmen, ohne sich unangenehm nass  anzufĂŒhlen.
      1994 wurde Meriowolle zum ersten mal vom Hersteller Icebreaker verwendet. Noch heute bleibt er dieser Faser treu und stellt weiterhin im großem Stil KleidungsstĂŒcke aus Merinowolle her.
    • Jacken gibt es seit dem 14. Jahrhundert. Damals waren sie als wattierter Waffenrock oder buntes Lederkleid bekannt.

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